Kastration
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Rund um die Kastration

Kastration: Warum?

Egal ob es sich um eine weibliche oder männliche Katze handelt, die Gründe für eine Kastration sprechen in jedem Fall für sich. Und hierbei ist es auch egal, ob das Tier in reiner Wohnungshaltung oder im – hoffentlich gesicherten – Freilauf (Garten/Gehege) lebt.

Wird eine weibliche Katze ausschließlich so gehalten, dass sie nicht unfreiwillig gedeckt werden kann, wird es vermutlich sehr schnell zu immer kürzer werdenden Abständen zwischen den einzelnen Rolligkeiten und schlußendlich zu einer Dauerrolligkeit kommen. Hierzu muss man wissen, dass der Eisprung einer Katze nicht zyklisch und in regelmäßigen Abständen stattfindet, sondern einzig durch den Deckakt ausgelöst wird. Findet kein Deckakt statt, kommt es also nicht zum Eisprung. Zwar bilden sich die Follikel mit den befruchtungsfähigen Eiern am Eierstock zurück, aber der hohe Spiegel weiblicher Sexualhormone fällt nicht ab. Die Katze wird nach kurzer Zeit erneut paarungsbereit. Bleiben der Deckakt und somit auch der Eisprung weiterhin aus, verkürzen sich die Abstände zwischen den Rolligkeiten zunehmend, bis die Katze zwischen den einzelnen Rolligkeiten keine Ruhepause mehr hat. Dies wird als so genannte Dauerrolligkeit bezeichnet. Diese ist nicht nur eine immense Belastung für die Katze und die Nerven aller Mitbewohner. In der Folge kommt es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu krankhaften Veränderungen an der Gebärmutter und den Eierstöcken. Dass so ein Zustand auch Verhaltensveränderungen zur Folge hat, kann sich jeder selbst denken. Die Katze selber kann dieser Situation nicht entrinnen und nicht selten kommt es auch zu plötzlichen Unstimmigkeiten in einem bis dahin friedlichen Mehrkatzen-Haushalt, sehr häufig wird als Folge dieser durch die Hormonüberschüttung verursachten Unruhe mindestens eine der Katzen unsauber.

Katern bleibt die Rolligkeit erspart, aber auch sie leiden unter ihrem Geschlechtstrieb. Sie sind unruhig, schreien viel und sind meistens eher zu dünn als zu dick. Ein potenter Kater verströmt einen äußerst intensiven Geruch und viele Tiere haben die Angewohnheit, ihr Revier noch zusätzlich mit dem Spritzen von Sekreten zu markieren. Aus diesem Grund kastrieren Besitzer einen Kater über kurz oder lang freiwillig. Allerdings sollte man gewarnt sein: Die Duftdrüsen sind auch nach der Kastration noch vorhanden. Wenn man Pech hat, markiert der Kater dann einfach aus Gewohnheit weiterhin. Deshalb empfiehlt sich die Kastration auf jeden Fall schon, bevor das Markieren anfängt.

Eine Paarung ist keine romantische Angelegenheit, das ist lediglich ein Trieb! Gesteuert von Hormonen. Der Kater drückt die Katze zu Boden, packt ihren Nacken mit seinen Zähnen und begattet sie. Sein Penis ist mit Widerhaken ausgestattet, die beim Zurückziehen einen intensiven, krampfartigen Schmerz bei der weiblichen Katze verursachen - dies ist der Auslöser für den Eisprung. Aufgrund dieses Schmerzes, der die Katze laut aufschreien lässt, wird der Kater nach der Paarung von ihr – wenn er Pech hat - gekratzt und gebissen.

Was passiert bei einer Kastration?

Bei der Kastration von weiblichen Tieren werden die Eierstöcke und manchmal auch die Gebärmutter entnommen. Der Schnitt erfolgt heute fast ausschließlich am Bauch und lässt sich mit wenigen Stichen wieder nähen. Bei Katern werden bei der Kastration die Hoden entfernt. Der Eingriff erfolgt von außen direkt an den Hodensäcken und ist daher sehr klein. Fälschlicherweise wird für die Kastration der weiblichen Katze häufig der Begriff Sterilisation verwendet. Eine Sterilisation ist aber lediglich das Abbinden der Eileiter. Dies verhindert zwar eine mögliche Trächtigkeit, der Zyklus der Katze bleibt aber weiterhin hormonell aktiv und wird somit weiter rollig werden. Nach einer Kastration werden keine Geschlechtshormone mehr produziert und Katze und Kater sind nicht mehr dem Stress des Geschlechtstriebs ausgesetzt.

Wie verlaufen Kastration und Nachsorge?

Vor der Kastration darf das Tier ca. 10-12 Stunden vorher das letzte Mal gefüttert werden. Wasser darf es bis circa zwei Stunden vor der Kastration zu sich nehmen. Selbst Leckerlis sind tabu! Von der Narkose wird manchen Tieren übel und Erbrechen ist im narkotisierten Zustand sehr gefährlich.

Für eine Kastration wird das Tier auf dem OP-Tisch auf dem Rücken fixiert, der Kätzin wird ein Teil des Fells am Bauch weg rasiert und die Fläche desinfiziert. Anschließend wird die Bauchdecke geöffnet, die Eierstöcke werden abgebunden und entfernt. Die Wunde wird in 2 Schichten (meistens) mit speziellen Fäden, die nicht gezogen werden müssen, sondern sich selbst auflösen, vernäht. Bei der inneren Wundnaht wird die Bauchhaut und bei der äußeren Wundnaht die Oberhaut verschlossen. Es kommt relativ oft vor, dass in den ersten Tagen nach der Kastration kleine Knubbel unter der Haut fühlbar sind, welche durch Schwellungen der inneren Wundnaht entstehen. Solange die Wunde nicht stärker nässt, eitert oder gar blutet und sich die Knubbel innerhalb weniger Tage zurückbilden, kann man von einer normalen Wundheilung ausgehen. In vielen Fällen wird der Katze nach der Kastration ein Antibiotika und ein Schmerzmittel gespritzt.

Beim Kater wird das Fell des Hodensacks desinfiziert, ein kleiner Schnitt gemacht und die Hoden entfernt. Die Hodensäcke des Katers werden nach der Operation nicht mit einer Naht verschlossen. Sie heilen innerhalb kürzester Zeit ohne spezielle Maßnahmen und das Risiko einer Infektion ist sehr gering.

Nach der OP

Viele Tierärzte ziehen den weiblichen kastrierten Tieren nach der Kastration eine Art Body/Anzug an, damit sie nicht an der Wunde lecken oder knabbern. (Ich persönlich halte diese Maßnahme für übertrieben und nur sinnvoll, wenn sich wirklich zeigt, dass die Katze versucht, die Fäden zu ziehen). Normalerweise bleibt das Tier in der Praxis, bis es aus der Narkose aufgewacht ist. Trotzdem wird es noch unsicher auf den Beinen sein, wenn es abgeholt wird. Man sollte es Zuhause für die nächsten Stunden in einem ruhigen Raum ohne Klettermöglichkeiten (Verletzungsgefahr, wenn es in diesem noch leicht narkotisierten Zustand springt und sich verschätzt) ohne weitere Katzen unterbringen. Katzenklo und Wassernapf sind natürlich selbstverständlich. Sobald das Tier wieder richtig wach ist, darf es eine kleine Portion Futter bekommen. Es kann durchaus sein, dass es nach dem Fressen zu Erbrechen kommt, was auf die Nachwirkungen der Narkose zurückzuführen ist. Diese sollten aber spätestens nach 24 Stunden abgebaut sein. Macht die Katze nach dieser Zeit immer noch einen – wenn auch nur leichten – narkotisierten Eindruck oder zeigt andere deutliche Zeichen von Unwohlsein, sollte man umgehend den Tierarzt kontaktieren.

In den nächsten Tagen sollte man genau im Auge behalten, ob die Katze sich zu stark mit der Wunde beschäftigt. Wird zu intensiv geleckt oder gar an den Fäden gezogen, kann die Wunde wieder aufbrechen, was evtl. eine weitere Narkose und Operation notwendig machen könnte. Um das zu verhindern, sollte man die Katze so gut es geht ablenken, wenn sie den Bauch übermäßig putzt. Sollte das alles nichts helfen, muss doch der oben schon erwähnte Body angezogen oder eine Halskrause/Kragen angelegt werden. Zum Glück gibt es heute schon wesentlich bessere Exemplare als die typischen Trichter. In guten Futterläden oder im Internet bekommt man so genannte „Mooncollar“, die ein wenig Ähnlichkeit mit einem Schwimmring haben und mit Klettverschluss um den Hals gelegt werden können. Sie sind für die Tiere deutlich besser zu akzeptieren als die Trichter. Es ist auf jeden Fall ratsam, eine Halskrause zu früh oder zu lange anzulegen, als eine zweite Operation zu riskieren. Bei den meisten Katzen hält sich das Belecken der Wunde allerdings in Grenzen.

Wurden zum Nähen nicht selbstauflösende Fäden verwendet, muss man nach etwa 10 Tagen erneut den Tierarzt aufsuchen, um die Fäden entfernen zu lassen. Oft erledigen die Katzen dies aber bis dahin auch selbst.

Was sind Vorteile einer Kastration?

Die Kontrolle über möglichen Nachwuchs ist der Hauptgrund für eine Kastration. Außerdem gibt es eine Reihe anderer, positiver Nebeneffekte, die sich überwiegend im Bereich der Katzen mit Freigang auswirken:

Durch Kastration wird der Verbreitung von Bissverletzungen, Geschlechtskrankheiten und Infektionskrankheiten wie FIV (Katzen-Aids) oder FeLV (Feline Leukämie, auch Leukose genannt) entgegen gewirkt.

Kater werden weniger aggressiv und verlieren den starken Drang, ihr Revier zu vergrößern und nach außen zu verteidigen. Revierkämpfe nehmen deutlich ab, das Markieren des eigenen Territoriums durch Urin wird eingestellt.

Das Risiko für Auto- oder sonstige Unfälle, die aufgrund von ausgedehnten Streifzügen geschehen können, verringert sich durch das verkleinerte Revier.

Eine kastrierte Katze hält sich in der Regel in der Nähe der Wohnung oder des Hauses auf. Oftmals wird sie anhänglicher und verschmuster, die Mensch-Tier-Beziehung kann sich enger entwickeln.

Was sind die Nachteile einer Kastration?

Der Energiebedarf eines kastrierten Tieres sinkt um 25 – 30 %. Wird das Tier also sein Fressverhalten nicht dem sinkenden Energiebedarf anpassen, wird es im Laufe der Zeit übergewichtig. Hier ist dann der Mensch gefragt, die Futtermenge so anzupassen, dass die Katze ihr Idealgewicht hält. Bei kastrierten Jungkatzen ist jedoch zu bedenken, dass diese noch mitten im Wachstum sind und mehr Futter brauchen, als eine Katze die erst im Erwachsenenalter kastriert wird.

Kastrierte Katzen, vor allem Kater, haben ein höheres Risiko an Harnsteinen zu erkranken. Eine mögliche Erklärung wäre Trägheit und Übergewicht kastrierter Tiere, wodurch sich das Risiko einer Harnsteinbildung erhöht.

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Kastration bei der Katze?

Diese Frage führt oft zu Meinungsverschiedenheiten. Grundsätzlich ist die Kastration bei Katze und Kater zu jeder Zeit möglich, sofern das Tier gesund ist. (Viele Tierärzte kastrieren eine weibliche Katze aber nicht, wenn sie gerade rollig ist. Als Grund hierfür wird eine vermehrte Durchblutung der Geschlechtsregion genannt). Den idealen Zeitpunkt gibt es nicht und selbst die Meinungen von Experten gehen bei diesem Thema auseinander. Üblicherweise wird geraten, die Kastration erst nach Eintritt der Geschlechtsreife durchführen zu lassen. Vor allem Tierschützer, aber auch Züchter plädieren für die Kastration zu einem früheren Termin. Heutzutage können Katzen durchaus schon im Alter von 5 Monaten ihre erste Rolligkeit erleben und die Aussage Kater seien erst ab ca. 10 Monaten geschlechtsreif, trifft absolut nicht zu. Für einen Tierarzt mit entsprechenden Erfahrungen (Narkose und Operation von Kleintieren wie z. B. Ratten, Hamstern u. ä.) ist es überhaupt kein Problem eine Katze in sehr jungem Alter zu kastrieren, die so genannte Frühkastration im Alter zwischen der 6. und 14. Lebenswoche zu machen. Zum Thema Frühkastrationen gibt es aber durchaus kontroverse Meinungen. Ein Vorteil der Frühkastration liegt sicher darin, dass die zukünftigen Besitzer sich über das Thema keine Gedanken mehr machen müssen. Viel Züchter geben ihre Katzenkinder nur noch frühkastriert ab, um sicher zu gehen, dass die Tiere nicht für eine Schwarz- oder Vermehrerzucht genutzt werden. Die langjährigen Erfahrungen dieser Züchter, die ich selber auch bestätigen kann, zeigen, dass in sehr jungem Alter die Narkose sehr viel besser vertragen wird und die Katzenkinder sich viel schneller von der Operation erholen. Mittlerweile sind zahlreiche Studien zu diesem Thema durchgeführt worden. Weitere Informationen - auch mit Quellenangaben – sind auf der Seite http://www.katzen-fieber.de/kastration.php zu finden.

Sollte die Katze nicht vor der Kastration einmal Babys bekommen?

Nein, auch wenn sich dieses Gerücht hartnäckig hält. Die Katze profitiert nicht von einem einmaligen Wurf. Meist ist es nur der Wunsch des Menschen, einmal Kätzchen aufwachsen zu sehen, der hier erfüllt werden soll. Bitte informieren Sie sich, wie groß das Risiko bei der ersten Geburt einer Katze ist. Gerade wenn Sie als Liebhaber keinerlei erfahrenen und helfenden Beistand an Ihrer Seite haben, wie wir ihn als Züchter durch Kollegen oder unseren sich in Bereitschaft befindlichen Tierarzt zum Glück in Anspruch nehmen können. Das Ganze kann sehr schnell zum Alptraum werden, wenn die Babys tot oder missgebildet (z. B. mit offenen Bäuchen) geboren werden, die Mutterkatze stirbt oder aus Unerfahrenheit die Kätzchen nicht versorgen kann oder gar tötet. Sollte man sich das und der Katze wirklich antun?

Es gibt schon zu viele Katzen, die ungewollt auf die Welt kommen und infolgedessen eine Überpopulation, die zum Teil verwildert und ohne regelmäßige Nahrung und Gesundheitsvorsorge bzw. Krankheitsversorgung ein trauriges Leben fristen.

Wenn Sie sich eine junge Katze ins Haus holen, setzten Sie sich bitte rechtzeitig mit dem Thema Kastration auseinander und sorgen Sie dafür, dass Ihre Katze keine Kitten zur Welt bringt, für die es kein Zuhause gibt!

 

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28.01.2018